Fakten (in aller Kürze)
Der Planetenriese Jupiter beeinflusst mit seiner enormen Masse die Bahnen aller anderen Körper im Sonnensystem und fängt manchmal selbst Kometen ein oder lenkt ihre Bahn ab. Er hat nach der Sonne die größte Masse im Sonnensystem. Sein starkes Gravitationsfeld wird dazu benutzt, um Raumsonden für einen Flug in den interstellaren Raum zu beschleunigen. In seinem Inneren finden sich hohe Anteile von Wasserstoff zu 71% und Helium zu 25%. Dort herrschen Temperaturen von etwa 36.000 Grad Celsius und Drücke von mehr als 30 Millionen bar. Jupiter ist nach dem Mond und der Venus das dritthellste Gestirn am sommerlichen Firmament und die gesamte Nacht über mit bloßem Auge sichtbar. Bemerkenswert für den Jupiter ist sein „Großer Roter Fleck“ (GRF), ein auf der Südhalbkugel beheimateter gigantischer Sturm, dessen Alter mit 180 Jahren angegeben wird und der nach Fotografien am Ende des 19. Jahrhunderts einen Durchmesser von 35.000 Kilometern aufwies[1], was dem Dreifachen des Erddurchmessers entspricht. Im Jahre 2018 ist der GRF immerhin noch 16.000 Kilometer groß, dies entspricht dem 1,3 fachen Erddurchmesser. Die amerikanische Raumsonde „Juno“ hat sich im Juli 2017 dem Jupiter bis auf 3.500 Kilometer angenähert und konnte mit ihrem Mikrowellenradiometer in die Atmosphäre schauen und eine Tiefe des GRF von 350 Kilometern nachweisen.

NASA, ESA, A. Simon (Goddard Space Flight Center), and M.H. Wong (University of California, Berkeley
Interessant sind die Monde des Jupiter: Io, Europa, Kallisto, Ganymed. Vor allem Europa hat das Interesse von Forschern wie von Science-Fiction Autoren gleichermaßen gewonnen, denn ihre Oberfläche besteht fast ausschließlich aus Wasser-Eis mit einem unter der Eiskruste vermuteten Wasserozean. Dieser Ozean enthält mehr Wasser als alle Meere der Erde zusammen und nährt deshalb Spekulationen um potenzielle Lebensformen. Der Jupiter besitzt 69 Monde.
Fiktion (mit aller Fantasie)
Eines der großen Meisterwerke der Science-Fiction, der Film von Stanley Kubrick und das Buch von Arthur C. Clarke, „2001 – Odyssee im Weltraum ( 2001: A Space Odyssey, 1968) führt die Crew des Raumschiffs „Discovery One“ zum Jupiter und den überlebenden David Bowman darüber hinaus in die Unendlichkeit, um den großen Monolithen, den Stellvertreter einer uralten außerirdischen Zivilisation, zu suchen. Arthur C. Clarke setzt die Erzählung in seinem Roman „Odyssee 2010 – Das Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen (2010: Odyssey Two, 1982) fort, die Verfilmung erfolgte durch Peter Hyams im Jahre 1984. Amerikaner und Russen fliegen im Raumschiff „Leonov“ erneut zum Jupiter, reaktivieren den Bordcomputer HAL der „Discovery One“ und werden mit einem wundersamen Ereignis konfrontiert: Der große Monolith am Jupiter teilt sich in viele kleinere Monolithen, die den Planeten Jupiter implodieren lassen und in eine Sonne verwandeln. Diese zweite Sonne in unserem Sonnensystem, „Luzifer“ genannt, schafft lebensfreundliche Bedingungen auf dem Jupitermond Europa. HAL sendet am Schluss im Auftrag des als nicht-materielle Lebensform erschienenen David Bowman eine Nachricht an die Menschheit: „All diese Welten sind euer – außer Europa. Versucht nicht, dort zu landen. Nutzt sie gemeinsam. Nutzt sie in Frieden.“
Die Erzählung von Arthur C. Clarke geht weiter in dem Buch „2016 – Odyssee III“ (1987). Fünfzig Jahre nach der Umwandlung des Jupiter in eine zweite Sonne in unserem Sonnensystem und nach einem Atomkrieg auf der Erde ist schließlich der Weltfrieden eingekehrt. Das Raumschiff „Universe“ mit dem alten Heywood Floyd an Bord fliegt im Rahmen einer Wissenschaftsmission zum Halleyschen Kometen. Ein zweites Raumschiff der privaten Flotte von Sir Lawrence, dem reichsten Mann der Erde, die „Galaxy“, stürzt auf Europa ab und die „Universe“ wird zur Rettung gerufen, muss aber zuvor ihre Wasservorräte für den Fusionsreaktor auffüllen und von den Geysiren des Halleyschen Kometen abzapfen. Auf Europa finden die beiden Schiffsbesatzungen eine fremdartige Fauna, einen riesigen Diamanten als Berg Mount Zeus als Überbleibsel der Umwandlung des Jupiter in die Sonne Luzifer und die große Mauer aus dem schwarzen Monolithen, in dessen Schatten eine neue Lebensform auf Europa eine Siedlung geschaffen hat.
Die Odyssey-Reihe von Arthur C. Clarke wird in dem Buch „3001 – die letzte Odyssee“ (3001 – The Final Odyssey, 1997) beendet. Ausgangspunkt ist, dass ein Raumschiff eintausend Jahre nach den vorherigen Ereignissen des Körper des Astronauten Frank Poole, der seinerzeit von HAL aus dem Raumschiff „Disvovery One“ katapultiert worden war, jenseits des Neptun-Orbits, im Kuipergürtel, gefunden und zurück zur Erde gebracht hat. Dort kann er aufgrund der fortschrittlichen Technologien der Menschheit wiederbelebt werden, da sein Körper in der Nähe des absoluten Nullpunkts konserviert worden war. Frank Poole erforscht seinen Heimatplaneten eintausend Jahre nach seiner Geburt und erlebt viele Abenteuer auf der Erde und den Jupitermonden Ganymed und Kallisto, die mittlerweile von Menschen besiedelt wurden. Natürlich spielt auch der Monolith wieder eine tragende und diesmal tragische Rolle bei der Weiterentwicklung der Menschheit. Das Buch endet mit einem Besuch einer Expedition von Frank Poole auf dem Jupitermond Europa, um mit deren primitiven Bewohnern einen friedlichen Kontakt aufzunehmen.
Der Jupitermond Europa spielt auch schon seit längerem eine Rolle in der Betrachtung von Wissenschaftlern, ob in dem als sicher geltenden Wassermeer unter der Eisschicht Leben existieren könnte. Die NASA hat im März 2017 eine Studie zur Erforschung von Europa mit dem Namen „Europa Clipper“ veröffentlicht[2] und der Regisseur James Cameron hat in seiner Dokumentation „Aliens of the Deep“ (2005), in der er seine Tieftauch-Abenteuer im Atlantik und im Pazifik zeigt, auch eine Animationsszene über die Landung einer Raumsonde auf Europa und die Absetzung eines Tauchroboters im Wasserozean unter der Eisdecke des Mondes Europa eingebunden.
Ben Bova hat in seinen Büchern „Jupiter (2001) und „Leviathans of Jupiter“ (2011) eine stark auf die wissenschaftliche Exploration von Lebewesen in einem für Menschen lebensfeindlichen Lebensraum abgehobene Erzählung geschrieben. Er konzentriert sich auf die extremen Umweltbedingungen auf Jupiter und beschreibt, wie Menschen solche Extrembedingungen bei der Kontaktaufnahme mit anderen Lebewesen meistern können. Die Geschichte des Astrophysikers Grant Archer, der eigentlich Schwarze Löcher und Pulsare studieren möchte, gerät zwischen die Fronten seiner Wissenschaft und der herrschenden religiösen Fundamentalisten der „New Morality“, die ihn als Spion zur Raumstation über dem Jupiter schicken, die von der „International Astronautical Authority“ betrieben wird, um dort Grundstoffe für Fusionsenergie-Generatoren zu gewinnen. Im zweiten Band stehen die riesigen Lebensformen in den Seen des Jupiter, die „Leviathans“ im Zentrum der Erzählung. Grant Archer ist nun Direktor der Jupiterstation und setzt alles daran, diese geheimnisvollen und vermutlich intelligenten Lebewesen zu erforschen, in einem Lebensraum auf dem Jupiter, der für Menschen vollkommen lebensfeindlich ist.
[1] Klaus-Peter Schröder: Der Große Rote Fleck. Das sterbende Auge des Jupiter. In: Sterne und Weltraum, Heft 5/2018, Seite 60-64.
[2] https://www.jpl.nasa.gov/missions/europa-clipper/. Abgerufen am 8.5.2017.