Der Mond

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Obwohl der Start von Artemis II (samt des Orion-Raumschiffs) mit seiner vierköpfigen Besatzung wegen technischer Auffälligkeiten kurzfristig auf das übernächste Startfenster im April verschoben wurde und dadurch die erste bemannte Reise Richtung Mond noch etwas länger auf sich warten lässt, möchten wir schon heute einen kleinen Blick auf unseren Trabanten und die Reisen dorthin werfen.

Der folgende Auszug stammt aus dem Buch Demnächst oder nie – Reisen zu fremden Welten von Fritz Heidorn, erschienen im Jahr 2018 im Verlag Dieter von Reeken.

Luna

Der Erdtrabant ist bislang von zwölf Astronauten zwischen den Jahren 1969 und 1972 besucht worden. Sie haben Bodenproben mit zur Erde gebracht, die eine genaue Analyse der geologischen Struktur und relativ gesicherte Annahmen über die Entstehungsgeschichte des Mondes zulassen. Die Mondproben sind ungefähr 4,4 Milliarden Jahre alt, was auf die Entstehung des Mondes vor 4,4 Milliarden Jahren hindeutet. Das Mondmaterial enthält knapp 100 Minerale, während auf der Erde über 4.500 Minerale vorkommen. Zur Entstehung des Mondes existieren drei unterschiedliche Theorien, von denen die Kollisionstheorie derzeit für die wahrscheinlichste gehalten wird. Danach ist vor rund 4,5 Milliarden Jahren ein marsgroßer Körper, Theia genannt (nach der griechischen Göttin Theia, die Selene geboren hat), mit der Urerde kollidiert und hat den Mond aus den Trümmern des Zusammenstoßes geformt und die heutige Erde entstehen lassen. Die Doppelplanetentheorie besagt, dass Erde und Mond aus derselben Staubscheibe entstanden sein sollen, die früher die Sonne umkreist hat. Der Abspaltungstheorie nach hat sich der Mond aus einer sehr frühen und schnell rotierenden, noch geschmolzenen Urerde abgespalten. Neuere Forschungsarbeiten stellen die Kollisionstheorie allerdings in Frage, denn man hat ein Stück Mondgestein, dass der Apollo-17-Astronaut Harrison Schmidt am 13. 12. 1972 vom Mond mitgebracht hatte, erneut untersucht und dabei Ungereimtheiten entdeckt, die nicht zu der Kollisionstheorie passen wollen. Kritiker der Theorie gehen eher von vielen kleinen Einschlägen aus oder von einer ganz anderen Theorie, nämlich einer riesigen Wolke aus verdampfendem Gestein, die den Mond hat entstehen lassen. Wohlgemerkt, dies sind theoretische Überlegungen oder besser gesagt Hypothesen. Hypothesen sind vorläufige, relativ gut abgesicherte Annahmen, sie sind aber keine gesicherte, belegbare und eindeutige Theorie, die allen Überprüfungs-Experimenten zu jeder Zeit, an jedem Ort und unter verschiedenen Versuchsbedingungen standhalten würde. Da mag sich der Ketzer natürlich fragen, wie groß der Unterschied zur Fiktion wirklich ist.

Der Mond übt eine besondere Funktion auf den Planeten Erde aus, nicht nur dadurch, dass er das System Erde-Mond stabilisiert und für Ebbe und Flut verantwortlich ist, sondern auch durch seine überragende mystische Bedeutung als Vollmond oder gar als „Blutmond“. Die Planeten Merkur und Venus besitzen keine Monde, sie befinden sich zu nah an der Sonne mit ihrer großen Anziehungskraft, die eventuelle Trabanten eingesammelt hätte. Die großen Gasplaneten werden von Dutzenden von Monden umkreist, die teilweise die Größe von Zwergplaneten erreichen und von denen manche, z.B. Europa oder Phobos und Deimos, die Monde des Mars, in der Science-Fiction Literatur eine große Bedeutung erlangt haben.

Der Mond hat die Menschheit seit Jahrtausenden berührt und ihnen das Fürchten und die Sehnsucht gelehrt. Die Himmelsscheibe von Nebra ist wohl das schönste der alten Relikte einer künstlerischen Darstellung von Mond und Sternen, ihr Alter wird auf 3.700 bis 4.100 Jahre geschätzt. Die älteste bekannte Darstellung des Mondes findet sich auf einer 5.000 Jahre alten Mondkarte in Irlands Knowth. Jules Verne war einer der ersten Schriftsteller, die sich mit der Reise zum Mond beschäftigt hatten, in seinen beiden Klassikern „Von der Erde zum Mond“ (1873) und „Reise um den Mond“ (1873). Der erste Science-Fiction Film ist nach allgemeiner Einschätzung der Film „Die Reise zum Mond“ des französischen Filmpioniers Georges Melies aus dem Jahre 1902. Der Mond war immer auch eines der frühen Reiseziele der Science-Fiction Klassiker, beispielsweise in mehreren Werken von Robert Heinlein: The man who sold the moon (1950, deutsch: Der Mann, der den Mond verkaufte, Heyne, 1971), „Destination Moon“ (1950), „The Moon is a Harsh Mistress (1966, deutsch: Der Mond ist eine herbe Geliebte, Bastei-Lübbe, 1994).

Mit der Landung der Astronauten Neil Armstrong und Buzz Aldrin von Apollo 11 auf dem Mond am 20. Juli 1969 begann für die Menschheit ein neues Zeitalter. Sie realisierten ein Unternehmen, über das die frühen Science-Fiction Autoren schon seit Jahrzehnten geschrieben hatten, in allen möglichen Facetten. Seit der Landung der Mondfähre von Apollo 17 mit den Astronauten Eugene Cernan und Jack Schmitt am 11. Dezember 1972 hat kein Mensch mehr den Erdtrabanten betreten. Die großen Tage der NASA sind vorbei, private Raumfahrtunternehmen aus den Vereinigten Staaten von Amerika, wie SpaceX, Blue Origin und Virgin Galactic, wollen sowohl auf dem Mond landen als auch bemannte Raumflüge zum Mars unternehmen. Heute wissen wir über die Planeten fast mehr als über die dunkle Seite des Mondes.